Brauerei


"Welche Produkte kann ich auf meinem Hof selber herstellen und dabei die vorhandenen Ressourcen nutzen?" Diese Frage beschäftigte mich immer wieder auf meiner einjährigen Veloreise von Zuhause über Osteuropa bis nach Asien.

Milchkühe legen die eigene Herstellung von Milchprodukten nahe. Entsprechend war dies eine von diversen Idee (die ich zuerst auch weiterverfolgt und einige Produkte hergestellt und verkauft hatte). Doch irgendwie konnte mich dies nicht ausreichend begeistern, so dass sich die Bieridee nach kurzer Zeit durchsetzte. Unser hofeigenes, vorzügliches Quellwasser sowie die Möglichkeit Getreide anzubauen, bilden die wunderbare Basis für feines Craftbier.

Im Herbst 2014 braute ich mein erstes Bier, vorerst noch in der Küche in der grössten verfügbaren Pfanne und mit einem Braukit. Für die nächsten paar Sude hielt ein Einkochtopf her, ab dem 6. Sud braute ich in einer selbstgebauten, gasbeheizten 100 lt Anlage. Ab da kreierte und verfeinerte ich meine eigenen Rezepte.

Ebenfalls im Herbst 2014/Frühling 2015 machte ich Anbauversuche mit Dinkel, Braugerste und Roggen. Alle 3 Arten gedeihen auf dieser Höhenlage von 1000 m ü. M. gut. Ich musste aber einsehen, dass der Anbau von Getreide auf wenigen Aren so unrentabel (arbeitsintensiv) ist, dass ich das Anbauen von Getreide wieder sein liess.

Nach der Ernte und der Keimruhe machte ich mit allen 3 Getreidearten Mälz- und Brauversuche. So hatte ich eine Zeit lang das "Mänzbärgerli" im Sortiment, ein Pale Ale sowie das "Dinkelbier", beide gebraut mit eigenem Malz. Auch hier war das Fazit, dass es möglich und äusserst interessant ist, ein Bier aus eigenem Getreide zu brauen. Jedoch müsste ich insbesondere das Mälzen zuerst praktisch einrichten und die entsprechenden Geräte bauen, um Getreide einerseits wirtschaftlich, andererseits in gleichbleibender hoher Qualität vermälzen zu können. Deshalb muss ich diese Idee auf später verschieben.

Im Keller, wo ich braute wurde der Platz immer knapper. So richtete ich im Winter 2017/2018 einen grösseren Raum ein, um darin brauen zu können. Endlich muss die Braueinrichtung nicht mehr jedesmal abgebaut und versorgt werden.

Auf Anfang 2018 stellte ich den Landwirtschaftsbetrieb auf Bio um. Ebenso liess ich die Brauerei zertifizieren und kann somit nun auch Bio Biere produzieren. Nun wollte ich die Idee des Brauens mit eigenem, oder regionalem Getreide wieder aufnehmen. Von einem befreundeten Bauer kaufte ich etwas Emmer und Dinkel, um mit diesen beiden Getreidesorten Bier zu brauen. Jedoch wollte ich das Getreide nicht mehr vermälzen, sondern als Rohfrucht verwenden. Um den Anforderungen von Bio Suisse zu genügen, muss das namensgebende Getreide zu 50% enthalten sein. Es brauchte zuerst einige Versuche, um dies mit Rohfrucht bewerkstelligen zu können.

Im April 2019 braute ich das erste Bio Emmer und Bio Dinkelbier.